Ich habe schon im Dezember damit begonnen, möglichst jeden Abend einen kleinen Abendspaziergang zu machen. Ich will mir damit zum Abschluss des Tages und als Vorbereitung auf den neuen Tag etwas Gutes tun und mir ein kleines Stück Glück schenken. Neben den Eintragungen in mein Dankbarkeitstagebuch trägt dieser tägliche Abendspaziergang sicher am meisten zu meiner Zufriedenheit bei.

Jeder von uns kann gehen und es benötigt auch keine besondere Ausrüstung oder Vorbereitung. Wann immer dir danach ist, kannst du einfach loslaufen. Und es gibt so viele gute Gründe, warum ein kleiner Spaziergang gut für dich ist.

Gehen ist gesund

Gehen ist einfach nur gesund und eine Wohltat für den Körper.

Beim Gehen kannst du viel freier atmen, als beim Sitzen am Schreibtisch. Durch die mäßige Anstrengung atmest du auch viel tiefer ein und damit versorgst du deinen ganzen Körper mit dem notwendigen Sauerstoff für die komplexen Stoffwechselvorgänge. Da du nun den Zucker im Blut und das Fett auf deinen Hüften besser verbrennen und als Kohlendioxid wieder ausatmen kannst, hilft dir Gehen auch hervorragend dabei, dein Gewicht zu kontrollieren.

Gehen kräftigt die Muskulatur deiner Füße, deiner Beine, deiner Hüften und deines Gesäßes und auch die Bauch- und Rückenmuskulatur wird trainiert, die deinen Körper aufrecht halten muss, ohne dabei von einer Stuhllehne unterstützt zu werden. Leichte Rückenschmerzen habe ich durch mehr Gehen fast immer in den Griff bekommen.

Gehen ist zudem gut für die Verdauung, weil dein Darm dadurch leicht massiert wird. Als ich einmal Probleme mit meinen Hämorrhoiden hatte, verordnete mir mein Proktologe neben mehr Ballaststoffen in meiner Nahrung vor allem auch leichte Bewegung in Form von Spaziergängen - und es hat geholfen!

Gehen macht den Kopf frei

Gehen ist ein wunderbares Mittel, um nach einem langen Arbeitstag am Computer den Kopf frei zu bekommen und abzuschalten.

Wenn du gehst, kannst du dich nicht mehr völlig auf die Gedanken konzentrieren, die unablässig in deinem Kopf kreisen. Du wirst unweigerlich auch ein wenig deiner Aufmerksamkeit nach außen lenken um nicht gegen Laternenmasten zu laufen  oder über kleine Unebenheiten zu stolpern.

Schon nach wenigen Minuten wirst du mehr und mehr von deiner Außenwelt wahrnehmen und deine Gedanken mehr und mehr loslassen können.

Gehen verbindet Geist und Körper

Gehen ist eine hervorragende Form der Meditation, mit der du deinen Geist und deinen Körper miteinander verbinden kannst.

Konzentriere dich beim Gehen auf den Rhythmus deiner Schritte und den Rhythmus deiner Atmung. Zähle deine Schritte, von eins bis zehn und dann wieder von vorne.

Spüre, was in deinem Körper passiert.

Wie entsteht deine Vorwärtsbewegung? Indem du dich mit den Sohlen und unter Einsatz der Waden kräftig abstößt, oder indem du dich einfach leicht nach vorne fallen lässt und dann ein Bein nach vorne setzt, um deinen Fall aufzufangen?

Wie setzen deine Füße auf? Hart mit der Ferse, flach mit der ganzen Sohle, oder ganz leicht mit den Ballen? Erkennst du einen Unterschied, wenn du im Sommer barfuß auf dem Rasen, auf dem Sandstrand oder auf dem Waldboden gehst?

Was machen deine Fußgelenke? Halten sie bei jedem Schritt die Füße horizontal zum Boden, oder entspannen sie sich und lassen die Füße ein wenig nach unten fallen? Wie fühlt sich das an? Müssen sich dadurch deine Knie ein wenig höher heben, damit die Zehen nicht am Boden streifen?

Welche Bewegungen spürst du in deinen Oberschenkeln, Hüften und im Rumpf?

Ist dein Atem mit deinen Schritten im Einklang? Wie oft atmest du ein und wie oft aus? Probiere einmal einen anderen Rhythmus aus. Vielleicht stellst du fest, dass du sehr viel länger ausatmen kannst, als du einatmen musst. Ausatmen - zwei - drei. Pause - zwei. Einatmen - zwei. Wie verändert sich der Rhythmus, wenn der Weg ein wenig steiler wird?

Gehen erdet dich

Gehen verbindet dich auch mit der Erde. Spüre den Untergrund unter deinen Fußsohlen.

Gehst du auf hartem Asphalt? Oder auf federndem Waldboden? Auf knirschendem Kies? Auf glitschigem Matsch?

Spüre, wie die Erde dich trägt, dich einsinken lässt oder dich festhält.

Gehen lässt dich Neues entdecken

Versuche ab und zu, die Route deines täglichen Spaziergangs zu ändern. Du wirst überrascht sein, wie viele neue Dinge du in deiner unmittelbaren Umgebung entdecken kannst.

Vielleicht entsteht ein paar Straßen weiter ein neues Wohnviertel. Wie sehen die Häuser dort aus? Was sind das wohl für Menschen, die hinter diesen Türen wohnen?

Oder du entdeckst in deinem Stadtviertel in einer Straße, in der du noch nie warst, einen netten kleinen Laden oder einen kleinen Park mit einer Bank, die zum Verweilen einlädt.

Gehen lässt dich Altes neu sehen

Doch auch wenn du immer wieder dieselben Wege einschlägst: Du wirst feststellen, dass sie nie gleich sind. Sie ändern sich im Laufe der Jahreszeiten und im Laufe der Jahre.

Gleich am Rande meines Dorfes gibt es eine uralte Linde, die ich regelmäßig besuche. Jetzt im Winter ist sie kahl, im Frühjahr zeigt sie ihr erstes zartes Grün, im Sommer spendet sie Schatten und duftet betörend und im Herbst wirft sie ihre Blätter ab. Im Laufe der Jahre sind immer wieder mal Äste abgebrochen und andere sind so groß und schwer geworden, dass sie bis zum Boden durchhängen und den Schafen, die ab und zu dort weiden, Unterschlupf gewähren.

Gehen ist menschlich

Schau dir einmal die Füße unserer nächsten biologischen Verwandten an: Gorillas, Schimpansen und Bonobos können ihre Füße fast genauso geschickt wie ihre Hände benutzen. Unsere Füße jedoch sind nicht zum Greifen, sondern zum Gehen gemacht.

Der aufrechte Gang auf diesen Füßen ist also ein zutiefst menschliches Merkmal. Wir haben - ausgehend von der Wiege der Menschheit in Afrika - nahezu den ganzen Planeten besiedelt und den allergrößten Teil davon erkundet. Und all das überwiegend zu Fuß.

Wenn du also gehst, aufrecht und würdevoll, dann drückst du so auch dieses uralte biologische Erbe aus und trägst mit deinem aufrechten Gang die menschliche Sehnsucht nach Weite und Freiheit in die Welt hinaus.


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