Gewohnheiten

Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander.
- Konfuzius

Hast du dir Ziele gesetzt, die du gerne erreichen möchtest? Vielleicht möchtest du ein Buch schreiben oder einen Marathon laufen, oder dich als Web-Designer selbständig machen oder ein anderes großes Lebensziel erreichen. Dazu ist es notwendig, dass du es dir zur Gewohnheit machst, jeden Tag ein wenig an deinem Ziel zu arbeiten. Sonst ist es sehr unwahrscheinlich, dass du dein Ziel erreichen wirst.

Wenn du nicht die Gewohnheit hast, regelmäßig - am besten täglich - zu schreiben, wird dein Traum von deinem eigenen Buch immer ein Traum bleiben. Wenn du nicht die Gewohnheit hast, vier bis fünfmal die Woche zu laufen, wirst du nie einen Marathon finishen. Wenn du nicht die Gewohnheit hast, Webseiten zu entwickeln, wird deine Selbständigkeit als Web-Designer für immer eine Fantasie bleiben.

Und wenn ich nicht die Gewohnheit habe, jeden Tag ein wenig auf der Gitarre zu üben, werde ich mein Ziel nie erreichen, Feelings von Albert Morris flüssig und fehlerfrei spielen zu können.

Du erreichst deine großen und kleinen Ziele am einfachsten dadurch, dass du Gewohnheiten entwickelst, die dich zwangsläufig zu diesem Ziel führen werden. Eine Gewohnheit ist eine Handlung, die nahezu automatisch abläuft, über die du kaum noch bewusst nachdenken musst und für die du keine Willenskraft aufwenden musst, um mit dieser Handlung zu beginnen.

Wenn du ein Ziel erreichen willst, dann denke als erstes darüber nach, welche Handlungen du zu Gewohnheiten entwickeln könntest, damit diese dich zu diesem Ziel führen. Suche dir dann als nächstes die Handlung aus, die dir am vielversprechendsten scheint.

Um mein bescheidenes gitarristisches Ziel zu erreichen, habe ich mir folgende Handlung ausgesucht: Jeden Tag außer Sonntag mindestens zwei, maximal zwanzig Minuten konzentriert zu üben. Das scheint mir recht erfolgversprechend zu sein.

Eine Gewohnheit zu entwickeln kostet Willenskraft

Es ist wichtig, dass du dir nur eine Handlung aussuchst, die du dir zur Gewohnheit machen willst. Denn die Handlung mag zwar einfach sein, aber sie zur Gewohnheit zu machen, wird viel von deiner Willenskraft erfordern. Und Willenskraft ist ein sehr begrenzter Rohstoff, wir Roy Baumeister und seine Kollegen mit ihrem berühmten Radieschen-Experiment aus dem Jahr 1998 zeigten.

Sie baten zwei Gruppen von Menschen zu einem angeblichen Test ihrer Geschmackswahrnehmung zu erscheinen und drei Stunden vorher nichts zu essen. Im Labor angekommen, fanden beide Gruppen sowohl eine Schüssel mit frisch gebackenen Keksen als auch eine mit knackigen roten Radieschen vor. Die erste Gruppe wurde gebeten, zwei oder drei Radieschen zu essen und deren Geschmack zu beschreiben. Die zweite Gruppe wurde gebeten, zwei oder drei Kekse zu essen und deren Geschmack zu beschreiben. Beide Gruppen wurden angewiesen, den Inhalt der jeweils anderen Schüssel nicht anzurühren.

Während die Teilnehmer den Geschmackstest durchführten, verließ der Testleiter den Raum und überließ die Radieschengruppe ihrem anstrengenden Kampf gegen die Versuchung, doch von den Keksen zu naschen.

Anschließend legte er beiden Gruppen ein unlösbares Rätsel vor und ermittelte, wie lange die Teilnehmer versuchten dieses Rätsel zu lösen, bevor sie aufgaben.

Es ist nicht erstaunlich, dass die Radieschengruppe signifikant früher aufgab, als die Keksgruppe. Die Radieschengruppe gab nach durchschnittlich acht Minuten und zwanzig Anläufen auf, während die Keksgruppe im Durchnschitt neunzehn Minuten und vierunddreißig Versuche durchhielt.

Die Mitglieder der Radieschengruppe mussten sehr viel Willenskraft aufwenden, um den verführerisch duftenden Keksen zu widerstehen. Und damit hatten sie für das Rätsel nicht mehr genügend Willenskraft übrig. In insgesamt drei weiteren Versuchen konnten die Forscher diese Ergebnisse erhärten:

Der Vorrat an Willenskraft ist beschränkt und wird durch verschiedenste kognitiv anstrengende Handlungen aufgebraucht.

Eine Handlung zur Gewohnheit werden zu lassen ist also nicht einfach und du musst behutsam und planvoll vorgehen, um dich nicht zu überfordern. Hier sechs Tipps, wie du eine Gewohnheit am besten entwickeln kannst.

Sechs Tipps zum Entwickeln von Gewohnheiten

  • Fang mit winzigen Schritten an
    Anstatt dir vorzunehmen, nun jeden Tag eine Stunde an deinem Buch zu arbeiten, nimm dir vor, jeden Tag nur einen Satz zu schreiben.

    Je kleiner die Aufgabe ist, die du dir stellst, desto leichter fällt es dir, damit anzufangen und desto unhaltbarer wird jegliche Ausrede, warum du keine Zeit hast, heute zu schreiben.

    Also: Schreibe nur einen Satz, meditiere für nur zwei Minuten, zieh dir deine Laufschuhe an und gehe einfach nur vor die Tür, nimm deine Gitarre und übe eine Minute lang den Akkordwechsel von A-Dur nach D-Dur.
  • Mach dir das Anfangen einfach
    Mach es dir so einfach wie möglich, mit deiner neuen Gewohnheit jeden Tag aufs Neue anzufangen.

    Bereite schon tags zuvor alles vor, was du brauchst: Leg dein Manuskript geöffnet auf deinen Schreibtisch und einen Stift daneben, damit du sofort am nächsten Morgen an deinem Buch arbeiten kannst; Stell deine Laufschuhe direkt vor deine Wohnungstür, so dass du darüber stolperst, wenn du hinausgehst; Stell deine Gitarre auf einen Ständer mitten in dein Zimmer, so dass du sie anfassen musst, wenn du an ihr vorbei willst.
  • Triff deine Entscheidung nur einmal
    Wenn du dich dafür entschieden hast, eine Tätigkeit zur Gewohnheit zu machen, dann triff diese Entscheidung nur einmal. Lege eine Uhrzeit für die Durchführung fest und dann mach es einfach, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

    Und wenn du es dann tust, dann versuch nicht einmal darüber nachzudenken, ob und warum du die Tätigkeit heute ausführen willst. Du hast deine Entscheidung einmal getroffen und es ist nicht notwendig, sie jeden Tag neu zu treffen. Das kostet dich nur zu viel von deiner kostbaren Willenskraft.
  • Habe Freude an deinem Tun
    Tu das, was du tust, mit Freude und Dankbarkeit. Sieh es nicht als lästige Pflicht, sondern als Geschenk an dich. Konzentriere dich darauf und spüre die Freude, die dir diese Tätigkeit bereitet.

    Fühle das glatte Papier und die Leichtigkeit, mit der dein Stift darüber gleitet und freue dich an den Sätzen, die entstehen. Atme die klare Luft draußen tief und dankbar ein und höre, wie der Kies unter deinen Füßen knirscht. Lausche den wunderbaren Tönen, die deine Finger aus der Gitarre zaubern.
  • Suche dir Verbündete
    Suche dir Freunde, denen du von deinem Vorhaben berichtest und die dich dabei unterstützen.

    Werde Mitglied einer Schreibgruppe und helft euch gegenseitig, eure Manuskripte zu verbessern. Schließe dich einem Lauftreff an. Suche einen Partner für ein Gitarrenduo.  
  • Halte dir dein Ziel vor Augen
    Wenn dir Zweifel kommen, dann halte dir dein Ziel vor Augen. Warum willst du diese Gewohnheit entwickeln?

    Stell dir vor, wie du dein fertiges Buch deiner besten Freundin schenkst. Stell dir vor, wie du voll Leichtigkeit durch dein Leben laufen wirst. Stell dir vor, wie du auf einer Party für deine Freunde ein paar Lieder auf der Gitarre spielst.

Je mehr dieser Tipps du beherzigst, desto einfacher wird es dir fallen, eine neue Gewohnheit zu entwickeln. Und wenn es nur ein Tipp ist, den du umsetzen kannst: Fang so klein wie möglich an. Aber fang einfach an und sei stolz auf diesen Anfang.

Ein kleiner Schritt nur, achtsam und mit Freude gemacht. Nur eine kleine Gewohnheit, jeden Tag durchgeführt. Über die Jahre hinweg wird dich diese kleine Gewohnheit sehr weit bringen.


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Michael Wegelin

Hallo, ich bin Michael Wegelin. Ich arbeite als Redner, Autor und Trainer. Ich lese viel, probiere es aus, und dann erkläre ich es jedem der es gerne wissen will.

Ulm